Psychiatrisierung und Bagatellisierung von mcs

Unsere Zivilisation hat auch Nebenwirkungen, die leider nicht auf der Packungsbeilage stehen.

 

 

Chemikalien – Sensitivität, international in der Medizin und von Behörden als Multiple Chemical Sensitivity oder abgekürzt als MCS bezeichnet, wird seit den 80er Jahren auch in Deutschland von Ärzten vermehrt festgestellt.

MCS ist im WHO Register für Krankheiten, dem ICD -10,  ein klassifiziert. (http://www.med-kolleg.de/icd/M/18239.htm)

 

Beginnend mit einer Sensibilisierung auf bestimmte Stoffe, vergiftet sich der Körper und verliert die Möglichkeit sich zu entgiften. Vor allem schwierig dabei zu lokalisieren sind die Wechselwirkungen von Medikamenten und Schadstoffen die wir täglich unserem Körper unbewusst zuführen.

 

Die Teilhabe am gesellschaftlichen Leben ist für mcs Kranke stark eingeschränkt oder in schweren Fällen auch gar nicht mehr möglich. Trotzallem gibt es immer noch Bestrebungen diese Erkrankung zu psychiatrisieren!

 

Aber wer kann so ein starkes Interesse daran haben Umwelterkrankungen als psychosomatische oder gar psychiatrische Erkrankung hinzustellen?

 

….Clusterausbrüche werde als Hysterie dargestellt oder andere Wortkreationen wie:

Pseudokrankheit, Ökochondrie (krankhafte Selbstbeobachtung auf umweltbedingte Gesundheitsschäden) oder Toxikopie (absichtliches Simulieren von Vergiftungs-Symptomen) …. Anpassungsstörung…Menopausensyndrom (!) Somatoforme Störung, idiopathische Umweltunverträglichkeit (!) Chemophobie, um nur einige unselige Begriffe zu nennen.

 

Es fallen nach wie vor Sätze wie: „Wirksame Behandlungsmethoden können erst ermittelt werden, wenn die Ursachen geklärt sind.“ Und so wird alles daran gesetzt, um zu versuchen, die Krankheit von seinen (Ver)- Ursache(r)n zu trennen.

 

Will man aber jetzt allen Ernstes heute noch dazu stehen, dass Chemikalien in unserer Umwelt unserer Gesundheit zuträglich sind? ?? Wie weit kann hier die kognitive Dissoziation gehen?

 

Wir sind umgeben von……

 

 

 

 

Schadstoffe und Nervengifte im Wohnumfeld, in Gebäuden und am Arbeitsplatz können das

 

  • Zentrale Nervensystem (Gehirn und Rückenmark) – Sitz von Gedächtnis, Denken, Fühlen und Steuerungsimpulse
  • Periphere Nervensystem (Steuerungsimpulse; Sinnesorgane, Muskeln)
  • Vegetatives Nervensystem (Steuerzentrale wichtiger Körperfunktionen; Blutdruck, Puls, Schlaf, Verdauung…)

beeinflussen und schädigen.

 

Seltsam, dass aber abgesehen von Ärzten, die nicht in der Umweltmedizin ausgebildet sind, sich auch die Chemie-Industrie stark bemüht (  e ) eine Umbenennung von mcs herbeizuführen. So bemüh(t)en sie sich hartnäckig MCS in "Idiopathic Environmental Intolerances" (IEI - idiopathische, d.h. unerklärliche umweltbezogene Unverträglichkeiten) umzugestalten. Dabei könnte man ja auch genauso gut den Raucherhusten in "idiopathische Atemwegsspasmen" umbenennen….nun wird ja niemand zum Rauchen gezwungen…auch wenn Jahrzehnte lang intensiv beworben von der Tabakindustrie aber Arbeiten und Wohnen…

 

Abgesehen von den gesundheitlichen Schäden, wird das Leben mit mcs oder einer anderen durch Schadstoffe entstandene Erkrankung, auf einen sehr geringen Radius reduziert (Vorausgesetzt man hat eine geeignete Wohnung). Die Existenz ist gefährdet, oftmals nur ein Leben in Isolation möglich.

 

 

 

 

 

„Dabei geht es noch weiter wenn Ärzte davon sprechen, es  handele  sich bei ihrer Klientel um meist sehr „schwierige“, „aufwendige“, d. h. den ärztlichen Vorschlägen gegenüber skep­tisch eingestellte Patienten, die oftmals nicht nur „jammern und klagen“, sondern auch umfassende Informationen (z. B. aus dem Internet) mitbringen (!). Diese übertragen sie dann auf ihr eigenes Leidensbild, um sie dann von den Spezialisten erläutert zu bekommen - in ihrem letztlich unkorrigierbaren Sinne, wie viele Experten bedauern, weil dadurch eine realistische Aufklärung erschwert wird.“

Weiterhin kommen sie zu dem Schluss dass ein „relativ hoher Anteil von Frauen, sowie überdurchschnittlich viele Ledige, sowie Absolventen höherer Schulabschlüsse“, sich von dieser Idiopathische d. h. von der Ursache her derzeit nicht erklärbare  umweltbedingte Intoleranz (IEI) betroffen fühlen! Zudem wachse eine (Über-)Empfindlichkeit gegenüber möglichen umweltbezogenen Gesundheitsstörungen, meist chemischer Art, in letzter Zeit vermehrt auch elektro-physiologisch u.a. geprägt (Hochspannungsleitungen, Atomkraftwerke, Mobilfunkanlagen u.a.). Es fallen doch tatsächlich Worte wie: „Wahnideen in Bezug auf verschiedene Umweltgifte“.

(Zitiert aus: http://www.psychosoziale-gesundheit.net/seele/umweltkrankheit.html)

Den Patienten wird doctor-shoppings“  bzw. „doctor-hoppings“ vorgeworfen. (Was soll ein Mensch aber denn tun wenn er keine Antwort auf seine Fragen bekommt???!)

 

…und was ist mit den Holzschutzmittelbetroffenen oder von Asbest, Pestizide, Amalgam um nur wenige zu nennen…
…und das sogenannte Lösemittelsyndrom? Betrifft das lauter hypersensible Maler und Lackierer?

 

In vielen Branchen werden Nervenschädigende Lösemittel eingesetzt….in der chemischen Industrie, Metallverarbeitung, Kfz-Gewerbe, Druckgewerbe, Reinigungsgewerbe u.v.m. (…mehr zu Berufserkrankungen durch Schadstoffe siehe in der Quellenauflistung)…leider müssen die Betroffenen auch hier ständig um ihrer Anerkennung kämpfen!


Die Odyssee eines Patienten, der zu einem nicht umweltmedizinisch geschulten Arzt kommt, ist  daher oft ein sehr langer Leidensweg.

 

Und so führt mcs zu:

 

 

 

Die Tendenz, durch Schadstoffe erlittenen Erkrankungen weiter zu ignorieren und Arbeits-und Umweltfaktoren weiter auszublenden, ist leider nach wie vor eine große Hürde wirklich aktiv in die Prävention zu gehen oder die Lebensqualität von schon Betroffenen zu verbessern.

 

Dazu bedarf es dringend:

 

  • Anerkennung der Umwelterkrankung mcs in der Medizin, in der Gesellschaft und im persönlichen Umfeld
  • Möglicher Wohnraum für an mcs-Erkrankte (Allein durch die Schadstoffvermeidung oder Verminderung kann es zu einer Verbesserung der Gesundheit und Lebensqualität kommen
  • Anlaufstellen für mcs-Betroffene
  • Aufklärung der Bevölkerung und der Ärzte - bereits hier kann wichtiges Infomaterial an die Betroffenen gegeben werden, je früher eine Schadstoffvermeidung erfolgen kann um so besser und schneller kann eine Stabilisierung erfolgen - oft vergeht viel zu viel Zeit mit unnötigen Untersuchungen oder psychischen Fehleinschätzungen die das Leben der Betroffenen weiter belastet aber nicht zu einer Gesundung führen kann!
  • Spezielle Kliniken und Arztpraxen die ein mcs-Betroffener überhaupt besuchen kann!
  • Existenzsicherung für Betroffene (mcs kann zur Arbeitsunfähigkeit führen)
  • Duftstofffreie und Schadstoffarme Erholungsmöglichkeiten, Einkaufsmöglichkeiten...für einen mcs-Betroffenen ist die Teilhabe an der Gesellschaft, so wie es bis jetzt ist, nicht möglich!
  • Emphatischeren Umgang untereinander - für verschiedene Lebenssituationen -
  • Kompetentere Konsumenten die durch eine eigene achtsame Haltung behutsamer mit dieser Welt umgehen wollen
  • Entsprechendes Vorgehen von der politischen Seite und der Industrie für eine gesündere Umwelt
  • Schadstoffarme Schulen und Kindergärten....oft fängt die toxische Belastung schon früh an und entscheidet damit über den weiteren Lebensweg

 

Im Abschlussbericht  der sogenannten Multizentrische MCS-Studie  von  2002 wurde eine Gruppe (eher abschätzig) als sMCS  benannt (selbstvermuteter MCS)…mir selbst war mcs  allerdings nicht bekannt – ansonsten hätte ich mir einiges an Verschlechterung oder Chronifizierung meines gesundheitlichen Zustandes ersparen können!

www.apug.de/archiv/pdf/mcs abschussbericht teil1 lang.pdf

 

 

Mir war zuvor (leider) nicht bewusst...

 

 

  …darum ist es überaus wichtig, das die Menschen informiert sind, um sich zu schützen, um gezielte Produkte zu verwenden die nicht oder weniger gesundheitsschädlich sind. Dass die beworbenen Produkte hinterfragt werden, das eigene Konsumverhalten überprüft und Arbeitsschutzmaßnahmen eingehalten und ausgeweitet werden, bzw. generell  auf weniger gefährdete Stoffe umgestellt wird. Auch nicht jedes Medikament sollte unhinterfragt eingenommen werden. Hier stehen die Gefahren ja sogar schon in der Packungsbeilage aber irgendwie scheinen wir so konditioniert zu sein, diese fraglos zu ignorieren.

 

 

 

 

 

Die Vermutung liegt eher nahe, dass zu wenig Erkrankungen oder Symptome auf aufgenommene Schadstoffe im Körper zurückgeführt werden und so die Anzahl der Betroffenen stetig wächst, während wertvolle Zeit für Prävention oder Erforschung und Anbietung von geeigneten Entgiftungsmöglichkeiten und Stärkung der betroffenen Organe verloren geht!

 

Hier aber auch ein Beispiel für den aktiven Versuch etwas zu verändern: Das ehrenamtliche Projekt fordert das 'Grundrecht auf die (eigene) Gesundheit' durch Prävention vor Schadstoffen und schädigenden physikalischen Einflüssen in Wohnraum.

So bietet das Gesetz bisher leider keinen Schutz bei der schleichenden Vergiftung durch Schadstoffe, Gifte und Gesundheitsverletzungen im Wohnbereich.

Umfassende Informationen auch für Bauherren, Vermieter, Eigentümer und Mieter unter: Das Gebäude-Gesundheitszeugnis 

 

 

 

 

 

 

 

 

Quellen:

Psychisch gestört oder arbeitsbedingt krank? Werner Maschewsky eine Edition der Hans Böckler Stiftung (Mehrfache Chemikalienunverträglichkeit (MCS), Lösemittel-Syndrom)

http://www.csn-deutschland.de/blog/2008/12/24/die-psychiatrisierung-von-mcs-kranken-stellt-in-deutschland-den-tatbestand-der-diskriminierung-koerperlich-behinderter-dar/

http://berufskrank.de/Berufskrankheiten/Chemikalienpolitik/REACH/Reach_Kroth%20Nov_05.pdf

http://www.asbesterkrankungen.de/index.php/startseite.html

http://www.umweltgerechtigkeit.de/Konzept.html

http://www.gifte-am-arbeitsplatz.de/

http://www.drlauda.at/images/pdf/rhomberg-mcs.pdf

http://www.eggbi.eu/aktuelles-literatur/#c361

http://www.csn-deutschland.de/blog/2008/10/10/mcs-multiple-chemical-sensitivity-who-icd-10-t784/

http://www.swp.de/goeppingen/lokales/landkreis_gp/Die-Krankheit-macht-einsam;art5567,1388803

http://berufskrankheit-siegerland.info/MCS-Wenn-Gerueche-zur-Gefahr-werden/

http://justizskandal-world.com/15201News/Brennpunkt/bultmann-antje-vergiftet-und-alleingelassen.htm#Die%20Psychiatriefalle